Neuseeland 1 - Der Norden des Nordens - Bettina & Rolf Sparthmann unterwegs!

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Segeln vor Auckland
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Australien & Neuseeland - November bis Dezember 2015
Der Norden des Nordens

Von Hamburg nach Brisbane

Nachdem wir im Sommer mit Familie und Freunden eine sehr schöne Zeit zu Hause verbracht haben, zieht es uns zum Herbstbeginn wieder in die Ferne. Püppi und Heinz bringen uns zum Flughafen. Von Hamburg fliegen wir über Dubai und Singapur nach Brisbane. Nach einer Nacht im Hotel nehmen wir uns am nächsten Tag einen Mietwagen, mit dem wir zum Appartement von Shar fahren. Bei ihr hatten wir uns bereits im letzten Jahr eingemietet, und es hatte uns dort gut gefallen. Shar und ihr Mann begrüßen uns herzlich. Für uns geht es dann gleich weiter zu Interport, wo unser rollendes Heim bereits für die Verschiffung nach Neuseeland bereitsteht.

Wir sind sehr froh, einen Teil unseres mitgebrachten Gepäcks noch im Auto unterbringen zu können. Nun können wir nur hoffen, dass unser Fahrzeug heil in Neuseeland ankommen wird! Die Tage bis zu unserem Weiterflug nach Neuseeland nutzen wir, uns in und um Brisbane herum noch einiges anzusehen. Anfänglich war das Wetter sehr angenehm, guter Hamburger Sommer, aber nun ist es heiß und schwül geworden, und nachts regnet und gewittert es. Nach 4 Tagen in Brisbane verabschieden wir uns von Shar und ihrem Mann. Es war wieder sehr angenehm, bei ihnen zu wohnen.
Von Brisbane nach Auckland

Ein 2 ½ stündiger Flug bringt uns nach Auckland auf Neuseelands Nordinsel. Die Einreise gestaltet sich problemlos und für unsere Bordapotheke, die wir aus dem Wagen ins Handgepäck genommen hatten, interessiert sich niemand. Wir sind in einem für uns gänzlich neuen Land angekommen. Per Mietwagen gelangen wir zur gemieteten Wohnung im Stadtteil Remuera. Unser Vermieter John begrüßt uns, gibt uns einige Tipps für die Stadt und das Einkaufen. Auf dem Grundstück, das am Hang des Mt. Hobson liegt, einer der vielen inaktiven Vulkane, auf denen Auckland erbaut wurde, gibt es mehrere Miet-Appartements. Ganz oben steht Johns Haus, umgeben von einem wunderschön angelegten Garten. Es ist Frühling, und alles grünt und blüht. Vom Kraterrand und von unserem Appartement bietet sich uns ein fantastischer Blick auf die unter uns liegende Stadt und am Abend auf ein Lichtermeer. Auckland ist zwar mit ca. 1,3 Mio. Einwohnern die größte Stadt Neuseelands, aber nicht die Hauptstadt. Weil die Bewohner der Südinsel sich vernachlässigt fühlten, musste Auckland diesen Titel schon im 19. Jahrhundert an Wellington abgeben. Das Stadtgebiet breitet sich auf einer Fläche von ca. 5.000 qkm aus. Die Entfernungen, die man innerhalb der Stadt zurücklegen muss, sind riesig, wie wir bald feststellen werden. Und da die Stadt auf mehr als 48 inaktiven Vulkanen errichtet wurde, und es deshalb bergauf und bergab geht, wird das Erkunden zu Fuß zu einer sportlichen Angelegenheit! Bevor wir uns jedoch auf die Sehenswürdigkeiten stürzen, haben wir viele Vorbereitungen für die Ankunft unseres Fahrzeugs zu treffen. Wir wollen diesmal alles selbst erledigen: Ein Agent, den wir schon aus Deutschland mit der Abwicklung beauftragen wollten, antwortet in einer Mail, dass wir das auch ohne ihn hinbekommen könnten – und wir nehmen ihn beim Wort! Das hat einige Laufereien zur Folge (Zoll, Quarantäne, Reederei), aber letztendlich schaffen wir es tatsächlich! Wir schließen eine Autoversicherung ab, die auch unseren Schaden deckt, wenn unser schuldhafter Gegner nicht versichert und mittellos ist. Denn in NZ ist Autoversicherung keine Pflicht! Aber die Kiwis fahren nicht dementsprechend! Zu guter Letzt werden wir noch Mitglied im NZ-Automobilclub. Da wir ADAC-Mitglied sind, ist das für uns kostenlos, und Berge von Kartenmaterial bekommen wir gratis. Wir beschaffen uns SIM-Karten für Telefon und Daten beim angeblich im Netzausbau führenden Anbieter SPARK - das ist der technisch-organisatorisch weit im vorigen Jahrhundert zurückgebliebene ehemalige Monopolist: Viermal müssen wir bei einem POS/bei der Hotline vorstellig werden, bis 90% von dem im Prospekt Versprochenen funktioniert! Nachdem wir auch noch Mitglied der New Zealand Motor Caravan Association (NZMCA) geworden sind, aus diversen Gründen ist die Mitgliedschaft sehr empfehlenswert, werden wir in einem vorerst letzten Schritt bei unserer Reederei ToyoFuji vorstellig. Hier müssen wir eine Kopie unseres inzwischen eingestempelten Carnets abgeben. Mehr können wir vor der Ankunft unseres Wagens nicht tun, und deshalb wenden wir uns endlich angenehmeren Dingen zu.

Wir schlendern durch die hügelige Stadt bei meist gutem Wetter, besuchen Museen und Galerien und einige der vielen hübsch angelegten Parks. Im Auckland-Museum nehmen wir an einer Maori-Aufführung teil, mit Tänzen, Gesang und Erläuterungen. Dazu gehört natürlich auch der berühmte Haka, der Kriegstanz. Mit Gebrüll, rollenden Augen und herausgestreckter Zunge werden wir (wie früher die Feinde) eingeschüchtert. Seit vielen Jahren führt Neuseelands Rugby-Team diesen Tanz vor jedem Spiel auf. Ob die Gegner sich davon beeindrucken lassen, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Aucklands Zoo besuchen wir nur, um den Kiwi, das Wappentier des Landes, anzusehen, da es in der freien Natur fast ausgeschlossen ist, es zu Gesicht zu bekommen. Der flugunfähige Vogel ist selten, sehr scheu und nachtaktiv. Auch im Zoo ist er nur im Fastdunkeln zu sehen, Fotografieren streng verboten. Bei den Neuseeländern heißt der Vogel Kiwi-Bird, denn Kiwis sind sie ja selber. Zu diesem Namen kamen sie, nachdem 1906 ein australischer Schuhfabrikant eine neue Schuhcreme entwickelt hat. Da seine Frau aus NZ stammte, und sie den Kiwi-Vogel so niedlich fand, erhielt diese Schuhcreme den Namen “Kiwi Boot Polish“ mit einem Kiwi-Logo auf dem Deckel. In beiden Weltkriegen benutzten die neuseeländischen Soldaten die Politur zur Pflege ihrer Stiefel, worauf die Briten und Amerikaner ihre neuseeländischen Waffenbrüder kurzerhand auf “Kiwis“ tauften, was sich weltweit für alle Neuseeländer durchgesetzt hat. Ob die Neuseeländer, hätte die Frau des Schuhfabrikanten Pinguine geliebt, heute Pinguine genannt würden, wäre ein interessantes Forschungsprojekt - für das wir uns bei entsprechender staatlicher Drittmittelförderung gerne anbieten! Der Viaduct Harbour, einst ein kommerzielles Hafengebiet, hat sich seit seiner Modernisierung für die Events des Americas Cup zu einem feinen Restaurant- und Kneipenviertel entwickelt. 1995 und 2000 gewann das NZ-Team den Cup, und Segeln hat sich seitdem zum Freizeitsport Nr. 1 gemausert. Unzählige Yachten liegen im Hafen und in den zahlreichen geschützten Meeresbuchten rund um Auckland. Uns gefällt es hier am Wasser, und das Bier schmeckt auch prima. Vom Mt. Victoria, ein weiterer Vulkan im Stadtteil Devenport, der nur über die Harbour Bridge oder per Fähre zu erreichen ist, genießen wir einen herrlichen Panoramablick auf Stadt und Meer. Per Fähre gelangen wir auf die Insel Rangitoto, dessen Vulkan vor gar nicht so langer Zeit, vor ca. 550 Jahren, das letzte Mal ausbrach und die Insel mit Lava überzog. Nachdem der als Landplage geltende, aus Australien eingeschleppte Possum auf Rangitoto ausgerottet wurde, wachsen hier wie früher auch wieder zahlreiche sog. Christmas Trees (Pohutakawa), die um die Weihnachtszeit in leuchtendem Rot erblühen. Denn Possums haben Pohutakawa zum Fressen gern! Vom Kraterrand werden wir mit herrlichen Panoramablicken über den Hauraki-Golf belohnt.

Als wir 8 Tage nach unserer Ankunft endlich unseren Wagen unbeschadet aus dem Hafen abholen können, regnet es Bindfäden. Es musste keine Nachreinigung erfolgen! Der zuständige Quarantäne-Mitarbeiter bedankt sich sogar bei uns für die gute Vorbereitung - unglaublich, und wir sind stolz! Das Hafengelände allerdings dürfen wir ohne Begleitung nicht betreten, und fast hätte unsere “Do it yourself“-Vorgehensweise hier ihr Ende gefunden! Doch wir haben Glück, denn Rolf wird freundlicherweise von einem Reederei-Mitarbeiter mit in das Hafensperrgebiet hineingenommen! Es dauert dann noch einmal 2 Std., bis das Auto endlich aus dem Hafen rollen darf. Noch am Nachmittag schaffen wir den Wagen zum VTNZ (“TÜV“) - alle ausländischen Fahrzeuge, die auf Carnet ins Land kommen, müssen eine technische Inspektion über sich ergehen lassen. Die Situation erinnert uns stark an die Emirate: Auch hier sind die Prüfer Inder, die ja bekanntlich gelegentlich an einem postkolonialen Trauma leiden - mit Genuss nehmen sie sich unseren MAN derart zur Brust, dass eine Prüfung beim heimischen TÜV dagegen Amateurcharakter hat! Doch unser Wagen ist topfit (Hihi, sie finden das Luftleck nicht!) und darf nun 6 Monate auf NZ-Straßen unterwegs sein.

Wir bringen den Wagen zum vorab reservierten Campingplatz in der Nähe unserer Wohnung und sind froh, nun wieder in unseren eigenen 4 Wänden zu wohnen. In den folgenden Tagen ist noch viel zu erledigen, um das Fahrzeug reisefertig zu machen: Um eine Prüfung zum sog. “Self Contained Vehicle“ zu bestehen, die es uns erlaubt, auf bestimmten Plätzen mit hohen Umweltschutzansprüchen zu campen, kaufen wir einen mobilen Grauwasser-Außentank mit entsprechenden Anschlüssen. Nach Begutachtung durch 2 (!) Inspektoren nacheinander erhalten wir die begehrte Plakette. Unser Laptop muss zur Reparatur. Die Batterien der Wohnkabine sind erledigt - es müssen neue besorgt werden, aber die Lage der Pole ist anders. Später, in Whangarei, wird der Wasserhahn unserer Spüle wieder undicht. Die Dichtungen der Stauraumklappen schwächeln, und Rolf bringt oberhalb der Klappen Abtropfprofile an. Bastelei über Bastelei - wir merken, dass unser Wagen schon seit fast 4 Jahren nicht mehr die heimische Werkstatt gesehen hat! Doch endlich - wir decken uns mit Lebensmitteln ein, füllen unseren Wassertank auf, und 16 Tage nach unserer Ankunft verlassen wir Auckland in nördlicher Richtung. Unsere Reise durch Neuseeland kann beginnen!
Entgegen unseren Gepflogenheiten werden wir für diese Reise keine Nachtplatz-Koordinaten veröffentlichen: Neuseeland bietet dem Camper unzählige Möglichkeiten, in der Natur sein Haupt zu betten, und, anders als in Australien, kann auch der in der Wolle gefärbte "Wildcamper" (wir gehören dazu!) sein Glück finden.
Von Auckland zum Kap Reinga

Neuseeland besteht i. W. aus einer Nord- und einer Südinsel. Die Entfernung von der Spitze der Nordinsel bis zum südlichsten Ende der Südinsel beträgt ca. 1.600 km. Das klingt zunächst nicht sehr gewaltig. Wir stellen aber bald fest, dass das Vorankommen durch das durchweg durch Vulkanismus geprägte hügelige und bergige Land mit teils engen und kurvenreichen Straßen oft viel mehr Zeit als erwartet braucht. Das macht aber nichts. Wir haben Zeit, und beim Langsamfahren sieht man ohnehin mehr. Unser Ziel ist die Halbinsel Whangaparaoa (an diese Maori-Namen können wir uns nicht gewöhnen). Auf dem Parkplatz der Marina und später im Shakespeare Regional Park bleiben wir einige Tage. Mit anderen Campern kommen wir schnell ins Gespräch und erhalten wertvolle Reisetipps: Eine Fähre bringt uns zur Vogelschutzinsel Tiritiri Matangi. Nachdem die Insel über Jahrhunderte von Maoris und europäischen Siedlern bejagt und abgeholzt wurde, begann 1984 das Aufforsten (ca. 300.000 Bäume wurden gepflanzt) und das Ausrotten aller nicht-heimischen, vogel- bzw. vogeleierfressenden Tiere (Possum, Ratten, Wiesel ….). Einheimische Vögel wurden wieder angesiedelt, auch Pinguine nisten nun auf der Insel. Die Brückenechse Tuatara, die sich seit 170 Mio. Jahren nicht verändert hat und bis zu 300 Jahre alt werden kann, ist ebenfalls auf der Insel heimisch. Wir sehen sie leider nur im Zoo und nicht in freier Wildbahn. Die Wanderwege führen am Wasser entlang und später durch dichte Vegetation. Vogelgezwitscher begleitet uns, und tatsächlich sehen wir viele Vögel. Das Wetter ist gut. Der neuseeländische Flachs mit seinen langen Blütenständen blüht leuchtend rot. Die Maoris stellten aus seinen Fasern Kleidung, Matten sowie Netze und Angelschnüre her. Nach dem Verholen in den Shakespeare Regional Park machen wir weitere Erfahrungen mit neuseeländischer Bürokratie: Das Bezahlen der Campinggebühren per Kreditkarte erfolgt umständlich und sehr zeitaufwändig mit dem vorhandenem Telefon am Eingang – absoluter Nervkram! Der Park liegt sehr schön an einer Bucht, umgeben von bewachsenen Hügeln und Wiesen. Es gibt viele Spazierwege, und Tuis und Singdrosseln erfreuen uns mit ihrem Gesang. Auf unserer Fahrt zum Mahurangi Regional Park, unserem nächsten Ziel, bummeln wir in Orewa über einen Gipsy-Markt: Neuseeländer, die in sehr fantasievoll gestalteten Wohnmobilen leben, verkaufen allerlei Kunsthandwerk.

Um ein bisschen voranzukommen, legen wir am nächsten Tag satte 123 km bis zur Kleinstadt Whangarei zurück. Auf dem Parkplatz der Town Basin-Marina finden wir einen tollen Standplatz. Direkt am Hatea Fluss und am alten Hafenanleger befindet sich ein Yachthafen ‑ mitten in der Stadt. Unser Platz ist trotzdem ruhig, und es gefällt uns sehr gut. Supermarkt und Restaurants liegen im fußläufigen Bereich. Am Abend gibt es im Restaurant “I Love Mussels“ köstliche riesige Grünlippenmuscheln. Zu den Whangarai-Wasserfällen und dem Reed Memorial Kauri Park nehmen wir den Bus. Von den Wasserfällen verläuft ein herrlicher Wanderweg am Hatea-Fluss entlang, vorbei an prachtvoll blühenden Wiesen, später durch dichten Wald zu den wenigen verbliebenen riesigen Kauri-Bäumen. Zum Glück werden wir später mehr von diesen Giganten sehen. Lesley und Rainer sind gerade mit ihrem Schiff hier in der Werft. Es gibt ein fröhliches Wiedersehen, und sie machen mit uns eine Sightseeing-Tour entlang der Küste mit traumhaften Buchten. Wir werden die beiden später in Kerikeri besuchen.

An der Ostküste der Whangarei Heads gibt es eine prima Campmöglichkeit, die wir nach dem Verlassen der Stadt Whangarei ansteuern. Schöne Wanderwege führen auf die umliegenden Berge. Am nächsten Tag verlassen wir die Küste und gelangen nach einer Fahrt auf kurvenreichen, teils engen Pisten durch bewaldete Berge und Weiden erst bei Ngungura wieder ans Meer. Es ist heute sehr bewölkt, es regnet auch zeitweise, zum Spazierengehen zu ungemütlich. So fahren wir weiter bis zur Helena Beach, einer hübschen kleinen Bucht mit einem schnuckeligen Nachtplatz. Am frühen Abend kommt dann tatsächlich noch die Sonne zum Vorschein, und wir machen einen Spaziergang entlang des schwarzen Sandstrands. Ein Dotterel- (Strandläufer-)Pärchen macht einen Riesenspektakel, da wir uns offensichtlich seinem Nest nähern. Sie legen ihre Eier fast ungeschützt nur in einer Sandkuhle ab. Das Wetter ist am nächsten Tag wieder gut. Die Russell Road windet sich entlang der Küste zum ältesten von Europäern errichteten Ort Neuseelands, dem kleinen Russell. Hier wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jh. hübsche Villen von ehemaligen Kapitänen errichtet. Auch die älteste erhaltene Kirche Neuseelands von 1847 steht hier und eines der ältesten Häuser, das Pompallier-Haus. In einem Restaurant an der Uferpromenade lassen wir uns unter einem Christmas Tree Fish & Chips schmecken, die wir gegen die Möwen verteidigen müssen! Anschließend besuchen wir einen Kunsthandwerksmarkt, wo Bettina zwei hübsche Anhänger mit Maori-Symbolen ersteht. Ein steiler Weg führt hinauf zum Flagstaff Hill, wo erstmals auf neuseeländischem Boden der Union Jack gehisst wurde. Die Maoris haben die Flagge mit der Axt dreimal wieder herunter geholt - Auslöser der Maori-Kriege des 19. Jahrhunderts. Unter uns liegt die spektakuläre Bay of Islands. Wir bleiben heute auf einem richtigen Campingplatz mit Infrastruktur, da wieder mal Wäsche gewaschen werden muss. Wie wir es schon aus Australien kennen, gibt es auch hier nur Kaltwäsche, Laufzeit 30 min. Anschließend ist die Wäsche ….. akzeptabel.

Um am nächsten Tag auf die andere Seite der Bucht zu gelangen, nehmen wir nicht die Fähre, sondern die landschaftlich sehr schöne, aber bannig schmale und kurvenreiche Erdstraße durch die Berge des Russell- und Waikino Forest. Unzählige riesige Baumfarne (eine unserer Lieblingspflanzen) säumen die Straße. Ihre grünen Dächer strahlen wunderschön im Sonnenschein. In den Niederungen durchqueren wir Mangrovenwälder und mit hübschen Gräsern bewachsene Sumpfgebiete.

Wir erreichen Kawakawa. Der unscheinbare Ort verdankt seine Attraktion seiner weltweit am meisten fotografierten öffentlichen Toilette, die von Friedensreich Hundertwasser als letztes Werk gestaltet wurde. Er verstarb im Jahr 2000, nachdem er seit 1973 nahe Kawakawa gelebt hatte. Kawakawa war einst ein Versorgungsort für den regionalen Kohlebergbau. Die dafür errichtete Eisenbahn dient heute nur noch für kurze Touristenfahrten. Nur 6 km weiter südlich wartet die Waitomo Glowworm Cave (Glühwürmchenhöhle) auf uns. Sie befindet sich seit Generationen im Besitz einer Maori-Familie, deren Mitglieder auch heute noch die Besucher führen. Es handelt sich um eine ca. 200 m lange Tropfsteinhöhle mit einer Höhe von bis zu 20 m, durch die sich ein Fluss schlängelt. Auf Holzstegen geht es in das dunkle Loch. Sobald die Laternen ausgeschaltet werden, leuchten an der Decke die Glühwürmchen wie ein Sternenhimmel! Fotografieren leider verboten! Mit unseren Glühwürmchen sind diese jedoch nicht verwandt. Eine Mückenart legt in der feuchten Höhle Eier an der Decke ab, aus denen sich Larven entwickeln. Diese Larven lassen klebrige Fangfäden von der Decke hängen, die leuchten. Je heller ein Faden leuchtet, desto hungriger ist die Larve. Vorbeifliegende Insekten werden durch das Licht angelockt, verfangen sich in den Fäden und werden von der Larve gefressen. Jede Larve hat ihr eigenes Areal - kommt der Nachbar zu nahe, wird er von seinem Artgenossen ebenfalls gefressen. 9 Monate dauert dieses Stadium, anschließend verpuppt sich die Larve in einen Kokon. Nach 2 Wochen schlüpft das Insekt. Diese Mücke ist nicht in der Lage, Nahrung aufzunehmen und stirbt nur drei Tage später. Bis dahin müssen die Eier gelegt und befruchtet sein, und das Spiel beginnt von vorn. Was ist Fantasie gegen die Natur?!

Weiter nördlich erreichen wir den sehr touristischen Ort Paihia an der Bay of Islands. Wir fahren weiter nach Waitangi, kehren aber zum Abendessen nach Paihia zurück und lassen uns absolut köstlichen Seafood Chowder und Spare Ribs schmecken. Heute ist Nikolaustag, wir rufen Bettinas Mädels an, die uns - wie jedes Jahr - gemeinsam mit ihren Jungs mit ihrem Ferngesang (“In der Weihnachtsbäckerei“) beglücken. Auch wir haben inzwischen eine Weihnachtsgirlande aufgehängt und schon köstlichen Christstollen “Made in Germany“ verzehrt. Mit Waitangi haben wir nun den historisch wichtigsten Ort Neuseelands erreicht: Am 6.2.1840 wurde hier der “Treaty of Waitangi (Vertrag von Waitangi)“ zwischen 48 Maori-Häuptlingen und der britischen Krone unterzeichnet. Später unterzeichneten noch mehr als 500 weitere Häuptlinge den Vertrag und wurden somit britische Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten. Das Recht, Maori-Land zu kaufen, hatte laut Vertrag nur die britische Krone. Bald jedoch kam es zu Auseinandersetzungen: Zum einen wichen die englische und die Maori-Fassung des Vertrages inhaltlich voneinander ab. Zum anderen kaufte die britische Krone billig Maori-Land, um es danach mit einem saftigen Aufschlag an europäische Siedler weiterzuverkaufen. Bis heute sind die Streitigkeiten nicht vollends beigelegt, obwohl Schadenersatzzahlungen geleistet und Land - oft allerdings eher symbolisch - an die Maori zurückgegeben wurde. Am Nationalfeiertag, dem Waitangi Day am 6. Februar, kommt es immer wieder zu Protesten seitens der Maori! Auf dem Gelände, auf dem die Vertragsunterzeichnung stattfand, steht das Haus des damaligen Vertreters der Krone, sowie ein Versammlungshaus (Whare Runanga). Es ist heute ein wunderschön angelegter Park und befindet sich in Maori-Besitz. 1940, zur 100 Jahrfeier, wurde ein Maori-Kriegskanu aus zwei Kauri-Stämmen gebaut. 35 m ist es lang und kann 80 Ruderer und 70 Krieger aufnehmen. Es beginnt, heftig zu regnen, aber am Nachmittag scheint wieder heiß die Sonne - so ist Neuseelands Wetter!

Die Karikari-Halbinsel ist unser nächstes Ziel. An ihrer Westseite liegt die große Doubtless Bay, deren Namensgeber James Cook war, der beim Vorbeisegeln sagte: “This is doubtless a bay!“. Die Halbinsel ist geprägt von Stränden im Norden und großen Farmflächen im Inneren - hier sehen wir zum ersten Mal große Schafherden. Das Fleisch der Tiere ist immer noch einer der größten Devisenbringer, der Umsatz mit Schaf-Rohwolle macht jedoch nur noch einen geringen BIP-Prozentsatz aus. An der Maitai Bay erwartet uns wieder ein sehr schöner DOC Campingplatz und ein wunderschöner Strand zum Entlangwandern. Bevor wir uns zum nördlichsten Teil Neuseelands, auf die Aupori Halbinsel, begeben, decken wir uns in Kaitaia mit Lebensmitteln ein. Nördlich von Awanui besuchen wir die Werkstatt “Ancient Kauri Kingdom“, in der aus uraltem, aus dem hiesigen Torfboden mit schwerem Gerät hervorgeholtem Kauri-Holz Möbel und Gebrauchsgegenstände hergestellt werden. Im Verkaufsraum steht ein Stück eines 45.000 Jahre alten Kauri-Baumstammes, in dessen Inneres eine Wendeltreppe eingearbeitet wurde. Gigantisch! Nur wenige Kilometer weiter, im “Gumdiggers Park“, erfahren wir mehr über den sog. Kauri-Bernstein. Hier standen Kauri-Wälder, die zu Beginn der letzten Eiszeit vor 45.000 Jahren starben. Wird der Kauri verletzt, produziert er große Mengen von Saft (Harz), das nach Schließen der Wunde verklumpt zu Boden fällt. Nach Tausenden von Jahren wird das Harz zu Kauri-Bernstein. Die Maoris verwendeten das Harz als Kaugummi und die ersten Siedler verkauften es mit Gewinn als Grundstoff für Qualitätslacke und Linoleum nach Europa und in die USA. Als das an der Oberfläche zu findende Kauri-Harz immer seltener wurde, kamen die Gumdigger ins Spiel. Sie gruben nach den Kauri-Harzklumpen, die Zigtausende von Jahren in den Sümpfen überdauert hatten, nachdem diese von ihnen trockengelegt worden waren. Wir sehen die Schächte und die Gerätschaften der Gumdigger, die über ca. 100 Jahre bis Mitte des 20. Jh. nach dem wertvollen Stoff geschürft haben. Im Verkaufsraum befindet sich ein großer Klumpen Kauri-Bernstein – sehr jung, nur 20.000 Jahre alt. Wir reiben unsere Hände daran, und es riecht - nicht ganz überraschend - ähnlich wie Weihrauch. Wir sind sehr beeindruckt!

In den nächsten Tagen bleiben wir auf der Aupouri-Halbinsel, finden auf der Ostseite sehr schöne DOC-Campingplätze an Buchten mit feinen Sandstränden und Bademöglichkeiten und herrlichen Wanderwegen. Wirklich toll! Die Westseite wird dominiert von der berühmten 90 Mile Beach, ein nur ca. 60 km langer (die Angelsachsen lieben die Übertreibung) Sandstrand, an dessen nördlichem Ende sich ein Dünengebiet erhebt. Dort fahren wir 3,5 km durch das Flussbett des Te Paki Stream zum Strand hinunter, aber nicht auf ihm entlang. Er ist fahrerisch keine Herausforderung und landschaftlich etwas monoton. Dafür wieder 1 Stunde lang mit dem Hochdruckreiniger das Auto von Salz befreien? Vielen Dank, hatten wir schon! Die nördlichste per Auto zu erreichende Spitze Neuseelands ist das Cape Reinga. Vom Leuchtturm blicken wir auf das Zusammentreffen zweier Ozeane: im Westen die Tasman-See, im Osten der Pazifik. Deutlich sind auf dem Wasser die heftigen Strömungen zu erkennen, mit denen die Meere aufeinander stoßen! Für die Maori ist dieser Teil der Nordinsel geheiligter Boden, da die Seelen der Verstorbenen hier ins Meer gleiten. Es darf hier weder gegessen noch getrunken werden! Unser letzter Campingplatz liegt an der Spirits Bay, der Waitahora fließt hier ins Meer. An den Flussufern leben Kormorane und Wildenten. Grüne Hügel, auf denen Pferde weiden, bilden das Hinterland - wunderschön. Auf einer kleinen Felseninsel werden wir von einem Austernfischer-Pärchen attackiert, das uns von seinem Nest vertreiben will. Zum Abendessen gibt es wieder einmal leckeres Lammfilet und grünen Spargel: Das könnte neben Fisch unser Lieblingsgericht in NZ werden. Brot hat Bettina auch schon gebacken und auch Marmelade gekocht. Kulinarisch sind wir im grünen Bereich!
Vom Kap Reinga wieder nach Whangarei

Wir fahren zurück nach Süden. In Te Kao halten wir an, um eine Moschee zu fotografieren. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass es sich um den kleinen Tempel einer christlichen Maori-Sekte handelt, der wie eine Moschee aussieht. Es findet gerade eine Messe statt, und wir lauschen von draußen den Gesängen. Plötzlich geht die Tür auf, und wir werden in das ungewöhnliche Gotteshaus eingeladen! Neben zwei Predigern sind nur noch fünf weitere Maoris anwesend. Wir werden auf Englisch willkommen geheißen und bekommen einen kurzen Abriss der Sektengeschichte – vom Priester nahtlos in die Predigt eingefügt. Beendet wird die Predigt wieder auf Maori. Was uns umhaut, ist der professionelle mehrstimmige Gesang der kleinen Gemeinde! Wer mag, kann hier eine Kostprobe hören. Mit einem Gemeindemitglied unterhalten wir uns später ausgiebig. Er versucht nur ein wenig, uns zu missionieren. Wir sprechen auch über die Streitigkeiten der Maoris mit der neuseeländischen Regierung. Und gewinnen den Eindruck, dass er zu den Maoris gehört, die mit den, teilweise auch nur symbolischen, Landrückgaben an Maori-Communities (Gemeinschaftseigentum) zufrieden ist. Wir erreichen den von der Westküste tief ins Land hineinragenden Fjord Hokianga Harbour. Dem südlichen Ufer folgend, erreichen wir die Wairere Boulders. Es handelt sich um ein mit Basaltblöcken gefülltes Tal, das sich seit vielen Jahren im Besitz der Schweizer Rita und Felix Schaad befindet, und durch das die beiden einen aufwändigen Weg auf Holzstegen und über Brücken gebaut haben. Felix ist Geologe und erläutert uns die Besonderheit eines Naturphänomens auf seinem Grundstück: Weltweit nur hier gibt es derart erodierten Basalt, dass man ihn bei flüchtiger Betrachtung mit Kalkstein verwechseln kann. Das Ergebnis des Wirkens saurer Kauri-Zerfallssubstanzen aus Wäldern, die bereits vor 50.000 Jahren untergegangen sind. Wir haben wieder etwas Neues gelernt! Wir dürfen auf ihrem Parkplatz übernachten und erhalten am nächsten Morgen von Rita ungespritzte Zucchini aus dem eigenen Garten, sehr köstlich! Wir folgen nun der kurvenreichen Erdstraße durch den Waima Forest, bis wir in Koutu wieder an das südliche Ufer des 45 km langen Hokianga Harbour gelangen. Auf einer Anhöhe über dem Wasser gibt es einen traumhaften Platz. Die 10 $ Campgebühren werden durch einen Schlitz in einen 40“-Container geworfen. Das Sparschwein klaut so schnell niemand! Das Wetter ist wieder sehr gut. Bei Ebbe laufen wir am Ufer der Bucht entlang, wobei wir uns manchmal durch Mangroven kämpfen müssen. Mangroven wachsen in NZ nur hier im subtropischen Norden. Ein Ehepaar aus Berlin besucht uns, wir trinken Kaffee und unterhalten uns sehr nett. Die Strasse führt nun direkt am Fjord entlang, mit herrlichem Blicken, insbesondere von der Anhöhe bei South Head, auf die großen Sanddünen auf dem Nordufer und auf 20 km wilde Brandungszone auf der Meerseite. Wenige Kilometer weiter südlich erreichen wir das ca. 100 qkm umfassende Schutzgebiet des Waipoua Forest und Trounson Kauri Parks, wo heute ca. ¾ aller verbliebenen Kauri-Bäume Neuseelands stehen. Noch vor ca. 150 Jahren bedeckten Kauriwälder große Teile der Nordinsel. Davon sind nach Schätzungen nur ca. 2 % übrig geblieben. Der Kauri ist ein immergrüner, sehr langlebiger Baum und gehört zur Familie der Araukarien, die bereits 190 Mio Jahre alt und die ältesten bekannten, noch existierende Bäume sind. Aufgrund ihrer geraden und astlosen Stämme (der Kauri wirft beim Wachsen die unteren Äste ab) verwendeten die Maoris die Bäume zum Bau ihrer Kanus. Von den Siedlern wurde das Holz für den Bau von Schiffsmasten und Häusern und schließlich für den Export verwendet: Der große Brand Londons und das Erdbeben in San Francisco haben für den Wiederaufbau ganze Wälder verschlungen, und die Neuseeländer haben ihn schließlich fast ausgerottet. Vor einigen Jahren wurde ein Parasit eingeschleppt, der die Kauris irgendwann umbringt - wir sehen viele bereits abgestorbene Bäume. Der gewaltigste (voluminöste) aller noch lebenden Kauris ist der Tane Mahuta (“Gott der Wälder“) mit einem Stammesumfang von 13,8 m und einer Höhe von 51,5 m und ca. 1200 Jahre alt. Der älteste ist der Matua Ngahere (“Vater des Waldes“) mit einem Stammesumfang von 16,41 m und einer Höhe von 29,9 m und ca. 2000 Jahre alt. Wir sind sehr beeindruckt, nicht nur von den wirklich gigantischen Kauris, sondern auch von der Vielfalt des subtropischen Regenwaldes. Viele Bäume sind mit Epiphyten (Aufsitzpflanzen) überzogen. Unser DOC-Nachtplatz im Trounson Kauri Park ist nicht so toll, aber die warmen Duschen sind es wert.

Da wir am 17.12. in Kerikeri sein wollen, geht es über eine sich durch die Berge schlängelnde Erdstraße zunächst durch Weideland, später an Hängen abgeholzter Plantagenwälder vorbei: “Clearcut“ kennen sie hier auch – es sieht schrecklich aus! Kerikeri ist neben Russell die älteste permanente europäische Siedlung. Wir besuchen das sehr schön am Kerikeri-Fluss gelegene Missionshaus (heute ein Café) aus dem Jahre 1822 und das Stone House, das älteste Steingebäude Neuseelands von 1836 (heute ein Laden und Museum). Das auf der anderen Seite des Flusses nachgebaute Maori-Fischerdorf aus dem 19. Jh. beeindruckt uns weniger. Am Nachmittag treffen wir bei Lesley und Rainer ein, bei denen wir uns für die nächsten 2 Tage einnisten. Sie haben ein wunderschönes mit Oliven- und Obstbäumen und Blumen bepflanztes Grundstück und ein schönes Heim, dessen Gästezimmer wir nutzen dürfen. Zum Abend haben Lesley und Rainer auch die Nachbarn Karel und Markus eingeladen, und wir Gäste werden äußerst verwöhnt. Der neuseeländische Wein fließt auch reichlich. Es ist ein sehr lustiger, unterhaltsamer und auch informativer Abend. Am folgenden Tag nehmen Lesley und Rainer uns mit auf eine Sightseeing-Rundfahrt über die Matauri Bay Road, eine kurvenreiche Fahrt zu hübschen Buchten mit traumhaft vorgelagerten Inseln. Am Nachmittag sind wir alle bei Markus und Karel zum leckeren Aprikosenkuchen eingeladen. Auch die beiden haben einen sehr schön angelegten Garten und ein geschmackvoll, teils modern, teils klassisch eingerichtetes Heim. Zum Entspannen sitzen wir später im geheizten Pool und lassen uns den Wein schon wieder schmecken. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Lesley und Rainer. Vielen Dank für die schöne Zeit bei Euch und Eure Gastfreundschaft!!

Zurück in Whangarei pflanzen wir uns sofort wieder auf unseren Superplatz an der Town Basin-Marina - nur, um Euch noch rechtzeitig die Möglichkeit zu geben, unter dem Weihnachtsbaum unseren ersten Bericht lesen zu können! Wenn Euer PC zum Lesen nicht darunter passt, ist er (der Baum) zu klein . ;-)!

Neuseeland gefällt uns bisher sehr gut, und wir hoffen, Euch dies vermitteln zu können. Doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben - warten wir ab, was wir Euch im nächsten Bericht erzählen können. Bis dahin wünschen wir Euch schöne Festtage und vorsorglich, falls wir uns nicht mehr sprechen sollten, schon jetzt nur das Allerbeste für 2016!


Viele Grüße,
Bettina & Rolf

(Whangarei/Neuseeland, Weihnachten 2015)
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