Neuseeland 3 - Der Norden des Südens - Bettina & Rolf Sparthmann unterwegs!

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Am Tasman River
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Neuseeland - Januar und Februar 2016
Der Norden des Südens

Von Wellington nach Nelson

Am 20. Januar verlassen wir Wellington mit der Fähre zur Südinsel. Haben uns bislang auf der Nordinsel Vulkanausbrüche verschont, müssen wir nun auf der Südinsel mit Erdbeben rechnen. Der Grund sind zwei tektonische Platten, die Pazifische und die Indoaustralische, die unter Neuseeland aufeinanderstoßen. Daran wollen wir jedoch nicht denken und genießen die schöne Seereise bei fantastischem Wetter über die deshalb ruhige Cook Strait (benannt nach James Cook, der auf seiner ersten von insgesamt drei Neuseeland-Reisen im Auftrag der englischen Regierung mit seinem Schiff "Endeavour" 1769 in der Nähe des heutigen Gisborne landete) und, nach dem Landfall, durch den Queen Charlotte Sound. Langsam schiebt sich die Fähre vorbei an unzähligen Buchten und Inseln, wobei in dem engen Fjord der eine oder andere Haken um Kaps herum geschlagen werden muss. Wir erreichen unseren Zielhafen Picton am Nachmittag und folgen dem kurvenreichen, teils hoch über dem Meer verlaufenden und wunderschönen Queen Charlotte Drive nach Westen. Einige Tage bleiben wir in diesem Bereich der Nordküste, finden schöne Nachtplätze, wie in der Double Bay am Manau Sound. In der kleinen Bucht kann man nicht nur wunderbar schwimmen, sondern auch die köstlichen Grünlippenmuscheln an den Felsen im Uferbereich finden. So frische „wilde“ Muscheln haben wir noch nie gegessen! Wir lernen wieder nette Neuseeländer kennen, die uns viele Tipps für den Besuch der Südinsel mit auf den Weg geben. Eine Dame zeigt uns voll berechtigtem Stolz ihre selbst angefertigte Quilt-Decke, auf der sie die Erfahrungen ihres Ehelebens dargestellt hat. Sie hat ihre Nähmaschine im Wohnmobil immer dabei. Ihr Mann spielt derweil Gitarre, um die Maschine zu übertönen oder geht zum Fischen.

Wir folgen der Küstenstrasse bis Havelock und durch die Berge bis Nelson und erreichen das Südende der Großen Tasman Bay. Nelson besitzt nicht nur den wichtigsten Fischereihafen Neuseelands, sondern darf sich auch „Sunshine Capital“ mit den meisten Sonnenstunden pro Jahr nennen. Wir bummeln durch die Stadt, schlürfen Bier in einer der 23 ortsansässigen Mikro-Brauereien und besichtigen die im Art Deco Stil erbaute Kathedrale. In Nelson und Umgebung hat sich eine sehr rege Kunstszene etabliert. Die findet man zum Teil im WOW (World of Wearable Art)-Museum, wo fantasievolle Kleidung ausgestellt ist. Alljährlich werden in Wellington auf einer Wettbewerbsperformance bizarre (Kleidungs-)Kunstwerke präsentiert, von denen dann die Besten in Nelson landen. Es gibt nur eine Bedingung. Es muss sich um einzigartige Originale handeln, die am Körper tragbar sind. Ähnlichkeit mit „Kleidung“ ist nicht verboten ….! Einige Künstler haben auch Kostüme für „Herr der Ringe“ entworfen. Uns gefällt die Ausstellung, nicht zuletzt, weil im selben Gebäude eine riesige Oldtimerausstellung residiert, zu der Rolf nach einer gehörigen Dosis „Tragbarer Kunst“, die er ja nie tragen würde, flüchten kann. Ein Besuch Nelsons ist nicht perfekt, ohne das Juweliergeschäft von Jens Hansen aufgesucht zu haben. Eine Arbeit dieses Meisters stellt seine anderen Schmuckstücke allerdings in den Schatten. Nachdem Peter Jackson Jens Hansens Entwurf für den „Einen Ring“ zusagte, fertigte dieser für den Film insgesamt 40 Ringe an, von denen einer einen Durchmesser von 16 cm hatte. Klar, dass wir das Geschäft nicht verlassen, ohne dass ein wunderschöner Ring (nicht die 16 cm-Ausführung, sondern nur die kleine, unsichtbar machende!) in Bettinas Besitz übergeht.
Von Nelson via Farewell Spit nach Westport

Auf unserem weiteren Weg über Mapua nach Norden machen wir Halt beim Café „Jester House“, dessen Attraktion die im Fluss lebenden fast-zahmen Aale sind. Zahm deshalb, weil die teils stattlichen Exemplare von den Gästen gefüttert werden dürfen (Futter gegen kleinen Unkostenbeitrag gibt es im Café zu kaufen). Dass das Café 2013 zum schönsten Neuseelands gekürt wurde, liegt jedoch am fantasievoll angelegten Garten mit alten Obstbäumen und lustigen Skulpturen. Nach einigen Tagen erreichen wir über die – wie immer – kurvenreichen Straßen der Takaka Hills die große Golden Bay, an deren Nordende eine sichelförmige, ca. 35 km lange Landzunge aus Sand in die Cook Strait hineinragt. Durch Meeresströmungen werden Unmengen von Sand angeschwemmt, so dass die Landzunge jährlich ca. 400 m weiter in die Bay hineinwächst. Wenn man sich keiner geführten Tour anschließen will, darf man nur den westlichen Teil des Vogelschutzgebietes erkunden. Aber das reicht, um auf verschiedenen Wanderungen über Dünen und am Rand der steilen Klippen eindrucksvolle Aussichtspunkte zu erreichen. Bei Ebbe zieht sich das Wasser bis zu 7 km zurück, so dass wir auch ausgedehnte Wattwanderungen unternehmen können. Diese riesige, teils sehr flache Bucht stellt jedoch in Verbindung mit den starken Strömungen der Cook Strait eine große Gefahr für Wale dar. Immer wieder geraten die Tiere in die Bucht, finden keinen Ausweg und stranden. 1991 starben hier trotz intensiver Rettungsversuche 325 Wale!

Die Nordspitze der Südinsel ist naturgemäß eine Sackgasse, so dass wir auf unseren eigenen Spuren zurückfahren, bis zu dem auf einer in die Golden Bay hineinragenden Halbinsel liegenden Abel Tasman Nationalpark. Auf dem Coastal Trail wandern wir teils oberhalb des Wassers, teils am Strand entlang. In den kleinen von Felsen eingerahmten Buchten bieten sich Gelegenheiten, ins sehr (zu?) erfrischende türkisfarbene Wasser einzutunken. Nicht zuletzt wegen des herrlichen Wetters ist es wunderschön hier!

Nach so viel Küste geht es nun bei Motueka ins Landesinnere, wo wir vor dem Verlassen des Ortes es uns nicht entgehen lassen, den Skydivern zuzusehen, gekauftes Abenteuer, denn die „Helden“ gleiten nach einem Sprung aus dem Flugzeug mit bunten Lenkschirmen im Tandem aus dem Himmel, pilotiert von Könnern. Durch das Motueka Valley, in dem sich eine Obstplantage an die nächste reiht und auch Gemüse und Wein angebaut wird, gelangen wir über bewaldete Berge zum Lake Rotorua im Nelson Lakes NP. Die Täler, in denen die Seen liegen, sind durch eiszeitliche Gletscher entstanden. Am See entlang wandern wir durch Südbuchenwälder, und der Boden ist über und über mit in der Sonne leuchtenden Farnen bedeckt. So schön es hier landschaftlich auch ist: Wir bleiben nur eine Nacht, da uns hier die Sandflies zum ersten Mal so richtig ärgern! Wir glauben es schlimm getroffen zu haben, aber dann berichtet uns die Nachbarin, dass wir heute einen guten Sandfly-Tag hätten. Vor zwei Tagen, nach dem Regen, wäre man am ganzen Körper mit den schwarzen Biestern bedeckt gewesen, sobald man einen Schritt vor die Tür gewagt hat! Na, uns reicht es jetzt schon. Die Fahrt durch die Berge des Kahurangi NP und durch die teils sehr enge Buller-Schlucht ist beeindruckend schön. Der Fluss, der durch ein so enges Tal strömt, dass die Strasse manchmal unter Felsüberhängen einspurig wird, begleitet uns bis Westport an der Westküste. Wir laufen über die 110 m lange Buller Gorge Swingbridge, und unter uns rasen die Jetboote auf dem Fluss. In der einstigen Goldgräberstadt Lyell wandern wir zum alten, sehr idyllisch in einem Südbuchenwald gelegenen Friedhof. Die Südbuchen haben unsere Herzen erobert. Die winzigen, in der Sonne leuchtenden Blätter scheinen zwar so gar nicht zu den teils wirklich riesigen Bäumen zu passen, bilden jedoch ein wunderschönes Blätterdach. In Westport erwartet uns ein sehr schöner Standplatz direkt am Strand. Chris und Pete, die wir am Farewell Spit kennen gelernt haben, sind auch eingetroffen, und zur Happy Hour sitzen wir gemütlich beisammen, berichten von unseren jeweiligen Erlebnissen.

Um Westport herum wurden im 19. Jh. reiche Kohlevorkommen entdeckt – Westport war und ist „Kohle“, denn noch immer sind Minen in Betrieb. Wir besuchen ein paar Kilometer nördlich von Westport auf einem 600 m oberhalb der Küste liegenden Plateau die Überbleibsel der Denniston Mine. Der zur Zeit der Kohleförderung mit 1500 Einwohnern blühende Ort ist längst verlassen, und nur wenige Relikte aus dieser Zeit sind noch vorhanden. So auch einige der großen Loren, mit denen die Kohle über eine 1,7 km lange Schienenbahn 600 Höhenmeter tiefer zur Küste hinab befördert wurde. Und zwar nur durch Schwerkraft betrieben! Wir sind beeindruckt.
Von Westport zur Rakaia Gorge

Entlang der wilden Küste folgen wir der Straße nach Süden bis Greymouth. Natürlich nicht, ohne vorher einen Spaziergang durch die Pancake Rocks zu machen. Die „Pfannkuchen“, die nicht zum Verzehr geeignet sind, erhielten ihren Namen wegen der bizarren Kalksteinformationen, die wie Unmengen aufeinander gestapelter Pfannkuchen aussehen. Durch Verwitterung haben sich Pfannkuchenstapel jeglicher Größe sowie Höhlen und Löcher gebildet, durch die das Meerwasser bei starker Dünung mit Macht hineinströmt und wie mächtige Geysire in die Höhe schießt („Blowholes“). Leider ist das Meer heute ruhig.

In Greymouth verlassen wir die Küste und wenden uns ins Landesinnere: In Neuseeland ist ein Zick-Zack-Fahren unumgänglich, da viele Sehenswürdigkeiten in einer Sackgasse liegen. Die Südalpen warten nun auf uns. Hier beginnt der Great Alpine Highway, die nördlichste der drei Alpenquerungen, die über den 920 m hohen Arthurs Pass führt. Sehr heiss ist es heute, 28 Grad, strahlend blauer Himmel. An einem kleinen idyllisch gelegenen See (Campen leider verboten) machen wir gemeinsam mit einer Radfahrerin aus Schottland eine Pause, genießen kalten Kakao und ein erfrischendes Bad im See. Durch die enge Otira-Schlucht gelangen wir in die Berge und erblicken erste mit Schnee bedeckte Gipfel. Am alten Otira Stagecoach Hotel lockt uns das gerade statt findende Rata Blossom Festival zu Ehren des um diese Jahreszeit rot blühenden Rata-Baumes. Als der Transalpin-Express auf seinem Weg von Greymouth nach Christchurch hier Halt macht, werden die erstaunten Zugreisenden heute mit einer Vorführung der Festivalbesucher unterhalten, die in alten Kostümen auf Hochrädern und in einem wirklich alten Auto ihre Runden drehen. 1923 wurde die „TranzAlpine“-Eisenbahnlinie in Betrieb genommen, deren Bau 40 Jahre gedauert hat, und die heute nur noch für Touristen fährt.

Allein die mit allerlei Antikem ausgestattete Gaststube des Otira Stagecoach Hotels ist einen Besuch wert. Neben der Life-Musik (Country & Western à la NZ) lauschen wir dem sehr interessanten Vortrag eines reisenden Geschichtenerzählers über alte Haushaltsgeräte, Landplagen, Tiere, Tierfallen usw.. Wir erfahren, dass die Kiwibird-Frau ein Ei legt, dass 1/3 ihres Gewichtes ausmacht. Man stelle sich also vor, dass eine 60 kg schwere Frau ein Baby von 20 kg zur Welt bringt!

Am Aussichtspunkt über den 440 m langen Otira Viadukt versucht ein frecher Kea, ein für seine Intelligenz, Neugier und Vorliebe für alles aus Gummi Hergestellte (das Zerstückeln von Scheibenwischerblättern sind seine Spezialdisziplin) bekannter Hochgebirgspapagei, ausgerechnet unsere stabilen Reifen anzuknabbern. Natürlich erfolglos! Wir gelangen hinunter in das von imposanten Bergen eingeschlossene breite steinige Flussbett des Waimakiri River. Ein steiler, über viele Stufen verlaufender Pfad bringt uns hinauf zur Aussichtsplattform auf den Devils Punchbowl Wasserfall. 131 m stürzt das Wasser über viele Felsstufen in einen Pool, bis heute einer unserer schönsten Wasserfälle Neuseelands. In den Bergen der Craigieburn Range wandern wir zwischen den auf dem Kura Tawhiti/Castle Hill verstreut liegenden, teils skulpturartigen Felsblöcken. Für die Maori ist es ein heiliger Ort, für den Dalai Lama ein spirituelles Zentrum des Universums und für Kletterbegeisterte eine gute Gelegenheit, sich sportlich zu betätigen. Wir finden es außergewöhnlich und schön. Und das wird sicher auch Peter Jackson so empfunden haben, der hier einige Filmszenen drehte. Vom 939 m hoch liegenden Porters Pass geht es auf einer wunderschönen Fahrt im kleinen Gang mit Motorbremse hinunter in die Canterbury Plains. Glückliche Schafe und Kühe erfreuen sich saftiger grüner Weiden und wir ihres Glücks! Nördlich von Methven müssen wir in der Rakaia Gorge nach langer Zeit einmal wieder mit einem kommerziellen Campingplatz vorlieb nehmen – der uns aber mit einer wunderschönen Lage entschädigt.
Durch die Alpen
 
Am Fuß der Südalpen erwarten uns in den nächsten Tagen traumhafte Standplätze an den einsam gelegenen Seen Lake Heron und Lake Clearwater. Durch das Tal des Rangitata River erreichen wir ein weites von Alpengipfeln umringtes Hochgebirgsplateau. Auf den mit wunderschön anzusehendem Tussock-Gras bewachsenen Berghängen weiden Merinoschafe. Nachdem der Schriftsteller Samuel Butler hier in der Gegend einige Jahre auf einer Farm gearbeitet hat, schrieb er nach seiner Rückkehr nach England 1872 seinen Roman „Erewhon“. Der Titel ist die phonetisch leicht angepasste Umkehrung des Wortes „Nowhere“. Und diese Ecke Neuseelands, wie auch die 2.700 Hektar große Schaf-Station am Ende der Piste, beide nach dem Roman benannt, ist „In the Middle of Nowhere“, wir können es bestätigen! Mitten auf dem Plateau erhebt sich der Hügel Mt. Sunday, der Peter Jackson als Kulisse für Edoras, der Hauptstadt von Rohan, diente. Von oben blicken wir auf die spektakuläre Landschaft und fühlen uns zurückversetzt in die Zeit von Mittelerde. Mit uns erreicht John mit einer Wandergruppe den Gipfel. John hat während der Dreharbeiten Hilfe geleistet und einige Geschichten auf Lager: Der in Privatbesitz befindliche Hügel wurde damals für eine ansehnliche Summe (man munkelte von 50.000 NZ$, zur Zeit der Dreharbeiten eine sehr ansehnliche Summe) an die Filmproduktionsgesellschaft vermietet. Jahre zuvor hatte der Farmer auf Mt. Sunday einen seiner Hütehunde begraben und über dem Grab einen Hügel aus Steinen errichtet. Peter Jackson wollte die Steine entfernen lassen - sie störten bei den Dreharbeiten. Darauf der Farmer: „Wenn nur ein Stein entfernt wird, ist der Deal geplatzt.“ Ja, er hat seinen Hund wohl wirklich geliebt! Ein weiteres Histörchen: Peter Jackson, offenbar ein sehr detailverliebter Regisseur, wurde auf der langen Suche nach einem passenden Wollstoff für die Hobbitumhänge erst in New York fündig. 50 davon ließ er in Neuseeland nähen. Als Dank für seine Unterstützung erhielt John nach Abschluss der Dreharbeiten zwei dieser Umhänge, einen davon hat er dabei. Und Bettina darf das Cape, das vielleicht von Frodo oder Sam getragen wurde, umhängen und bekommt noch den passenden Wanderstab dazu, denn John hat großes Verständnis für Bettinas Tolkien-Begeisterung! Auf unserer Rückfahrt zurück nach Osten in die Zivilisation stoppen wir bei einer Schaffarm und erleben, wie eine große Herde von Merino-Schafen für die Schur zusammengetrieben wird. Und wir beobachten, wie ohne Hunde das Schafzuchtgeschäft unmöglich wäre! Das gibt wieder feine Wolle für Bettinas 95. (in Worten: fünfundneunzig) Pullover.
Wir verlassen das trockene Tussock-Grasland und erreichen die grünen Canterbury Plains und die ebenso grünen Hügelketten des Rolling Hill Country. Doch hinter dem 709 m hohen Burkes Pass umgibt uns erneut die trocken-braune Tussock-Graslandschaft. Hier beginnt das Mackenzie Country, wohl das einzige Gebiet, dass nach einem Viehdieb (orthografisch aber nur fast korrekt) benannt wurde. Der Schotte James Mckenzie hat 1855 über 1000 gestohlene Schafe hierher getrieben. Man hat ihn erwischt und eingesperrt. Dreimal ist er entkommen. Daraufhin hat man ihn begnadigt und verziehen, worauf hin er sich nach Australien abgesetzt hat, wo sich seine Spur verliert.
 
Die Neuseeländer waren und sind eben nett und großzügig! Das zeigt sich auch bei unserem nächsten Einkauf im Supermarkt. Als eine Dame bemerkt, dass Bettina Rhabarber in der Hand hält, meint sie, den bräuchten wir nicht zu kaufen. Sie hätte draußen im Auto frisch geernteten aus ihrem eigenen Garten, und wir könnten soviel davon haben wie wir mögen! Am nächsten Tag, den wir am Lake Tekapo verbringen, entstehen daraus köstliche Marmelade und Kompott. Nur 50 km weiter westlich liegt ein weiterer Gletschersee, der 80 qkm große Lake Pukaki. Die smaragdgrüne Farbe des Wassers ist phantastisch! Sie entsteht durch winzige, das Sonnenlicht reflektierende Felspartikel („Gletschermehl“), die vom Gletscher über den Fluss in den See gelangen. Die Fahrt entlang des Sees ist grandios. Immer wieder halten wir an, um die Aussicht zu genießen, auf den See und auf die in der Ferne liegenden, mit Schnee bedeckten Gipfel und Gletscher des Mount Cook-Massivs. In diesem Massiv ist der Mount Cook mit 3.754 m der höchste Berg Neuseelands, dem sich weitere 21 Dreitausender anschließen. Der Tasman Gletscher ist mit seinen zurzeit (nur noch, alle Gletscher schrumpfen rapide) 22 km der längste Neuseelands. Wir sind begeistert von dieser Landschaft, die wir auf unseren Wanderungen bestaunen, und sie wirkt wie Klebstoff, denn wir können uns nicht aufraffen, diesen Teil Neuseelands zu verlassen! Erst einsetzender heftiger Regen nimmt uns die Entscheidung ab. Das am Tag zuvor in mehreren schmalen Strömen herabfließende Gletscherwasser hat sich zu einer breiten geschlossenen Wasserfläche entwickelt. Die Sonne zeigt sich dann aber doch noch, und mit einem kräftig leuchtenden Regenbogen werden wir verabschiedet. Wir genießen noch einmal die Fahrt entlang des Lake Pukaki, bevor wir uns auf den Weg nach Wanaka machen.
 
In Twitzel kaufen wir in einer Lachsfarm frischen Lachs, den Rolf geangelt hat (siehe Bilder zum Beweis!), der am Abend zu einem köstlichen Mahl verarbeitet wird. Die gleichsfalls erstandenen geräucherten Lachswürstchen sind eher ziemlich äußerst sehr gewöhnungsbedürftig! Fast alle anderen Käufer in dem Geschäft sind Asiaten. Vielleicht wurden die Würstchen deshalb so mit Chili vollgepumpt? Über die Berge erreichen wir den Lindis Pass, und ab hier begleitet uns Regen bis Wanaka, der uns in den nächsten zwei Tagen treu bleibt. Wir nutzen die Zeit u. a. zum Einkaufen und Wäschewaschen und zur weiteren Arbeiten an unserem neuen Bericht. Wanaka, am gleichnamigen See gelegen, mit den Ausläufern der Mt. Aspiring-Berge im Hintergrund, ist sicher sehr schön, aber im Regen halt nicht so. Außerdem findet hier gerade ein Ironman-Wettbewerb statt, und die kleine Stadt platzt mit Touristen aus allen Nähten. Wir sind froh, dass wir etwas außerhalb auf dem Parkplatz des District Clubs einen Standplatz gefunden haben.
 
Dann sagt der Wetterbericht für die Westküste Sonne voraus, und wir machen uns über den Haast-Pass (563 m), auf den Weg zur Westküste. Es ist eine sehr abwechslungsreiche und auch schöne Strecke entlang der Seen Hawea und Wanaka. Von der Passhöhe geht es steil und kurvenreich zur Küste hinunter. Aus den nun dicht bewaldeten Gebirgsflanken brechen immer wieder Wasserfälle hervor, die nach den Regentagen besonders eindrucksvoll sind. Bald wird das Tal des Haast River breiter, und in Haast erreichen wir die Westküste. Wir folgen der Küstenstraße nun nach Norden. Die Strände sind mit Treibholz und hübschen Steinen übersät, die, wie sollte es anders sein, einen Sammelreflex auslösen. Am Lake Paringa begrüßen uns neugierige Kakas, nur an der Westküste vorkommende Papageien. Die nächsten Tage gehören nun den Besuchen des Fox- und des Franz Josef-Gletschers. Und das bei Sonne und strahlend blauem Himmel - unser Wetterglück in diesem Teil der Welt mit den weltweit höchsten je gemessenen Niederschlägen kann gar nicht laut genug bejubelt werden! Beide Gletscher gehören zum Westland Tai Poutini NP und zum UNESCO Weltnaturerbe. Große Teile der Südalpen sind vergletschert, denn zum Süden hin regnet es mehr und die Temperaturen nehmen mit dem Näherkommen der Antarktis ab. Die Gletscherzungen sind sehr lang und lagen noch im 19. Jh. dort, wo heute die Küstenstrasse verläuft. An den Moränen unweit der Küste, unter denen (weiter oben) auch heute noch Eis liegt, kann man das deutlich erkennen. Aber die Gletscher ziehen sich auch hier immer weiter zurück. Beide Wanderungen zu den Gletscher-Aussichtspunkten sind spektakulär. Die riesigen über Millionen von Jahren rund geschliffenen Felsen lassen uns etwas von den Naturgewalten erahnen, und die vom Gletscherplateau herabstürzenden Wasserfälle und die mit grünen Moosen und roten Flechten bewachsenen Felsen lassen unsere Kameras heiß laufen! Störend ist allein der durch viele Hubschrauber verursachte Lärm, denn nur noch mit dem Hubschrauber und leider nicht mehr per pedes kann man zu einer Gletscherwanderung starten. Wir haben eine weitere fantastische Gegend Neuseelands kennen gelernt, doch als sich nach einigen Tagen ein Wetterumschwung ankündigt, verlassen wir die Westküste, um weiter das Landesinnere und den äußersten Süden der Südinsel zu erkunden. Doch darüber im nächsten Bericht mehr!

Bis dahin viele Grüße,
Bettina & Rolf
(Franz Josef/Neuseeland, im Februar 2016)
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