NZ-USA-MEX 3 - Vom Pazifik ins Hochland - Bettina & Rolf Sparthmann unterwegs!

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Markt in Tlacolula/Mexiko
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Auf dem Gringo-Trail

 
Ja, dieser Bericht ist etwas umfangreich geworden, denn wir haben auf dem Gringo-Trail (s. u.) im letzten Monat unglaublich viel gesehen und erlebt. Wir wollten ihn nicht bis zur Unkenntlichkeit (für uns) eindampfen und haben deshalb folgende Empfehlung für Euch: Lest Teil 1 mit einer Flasche Rotwein, Teil 2 am nächsten Tag mit einer Flasche Weißwein, Teil 3 ….. usw.!

Und dann hören wir schon: Wieso Gringo-Trail? Ihr seid doch keine Gringos und werdet doch nicht dorthin fahren, wo sich die Amis rumtreiben! Dazu ist leider zu sagen, dass auch wir Gringos sind. Für die Mexikaner ist jeder Ausländer ein „Gringo“, nicht nur die Norteamericanos. Und dann der „Trail“ im Sinne von „eingelaufen und eingefahren“? Nun, der verbindet eine große Zahl unbedingt sehenswerter alter Kolonialstädte, an denen auch wir nicht vorbeifahren konnten. Also entspannt Euch (s. o.) und kommt für 1 oder 2 Stunden einfach mit!


März 2017
Von den Monarch-Faltern nach Guanajuato

Nachdem wir von den Monarch-Faltern und von Karla und Heiko Abschied genommen haben, steuern wir über viele Topes (klick HIER für Beispiel) als nächstes Ziel Guanajuato an, die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Der erste Streckenabschnitt hinunter nach Angangue ist steil, und die Balkone der Häuser ragen in die Gassen hinein, doch zum Glück kommen uns nur wenige Fahrzeuge entgegen. Wir queren die teilweise ausgetrocknete Laguna de Cuitzeo, über die ein heftiger Sandsturm tobt. Dreck und Staub begleiten uns bis Salamanca, und die Sicht liegt manchmal unter 20 m. Erst, als es wieder nach Norden geht, wird die Sicht wieder klarer. Nach sechs Stunden erreichen wir den ca. 18 km außerhalb der Stadt liegenden Campingplatz, auf dem wir zunächst die einzigen Besucher sind. Guanajuato ist seit 1988 UNESCO World Heritage Site, und die Stadtväter sind mit dem Verbot von Ampeln und Leuchtreklamen im historischen Zentrum sehr bemüht, diesen Status aufrecht zu erhalten. Es gibt viel zu sehen, und so bleiben wir ’mal wieder länger als geplant. Die Busfahrten ins Zentrum sind abenteuerlich, und wir sind jedes Mal froh, heil angekommen zu sein. Mit irrer Geschwindigkeit rasen die Busfahrer auch durch die unterirdischen Tunnel, „Subterraneo Miguel Hidalgo“. Die Tunnel wurden einst von den Spaniern gebaut, um den Fluss unter der Stadt durchzuführen. Heute dienen sie dazu, den Oberflächenverkehr zu entlasten ‑ der Fluss wurde in neu angelegte, noch tiefer liegende Tunnel verbannt.

Die wunderschöne Stadt liegt in einem tiefen Taleinschnitt, und deshalb bedeutet ein Stadtbummel ein ständiges bergauf und bergab. Dank der vielen Fotomotive in den engen Gassen mit den alten und farbigen, dicht an dicht an die Hänge gebauten Häusern, müssen wir zum Glück immer mal wieder Verschnaufpausen einlegen. Die steilste und schmalste Gasse ist die „Callejon del Beso (Gasse des Kusses)“, um die eine Legende, ähnlich der von Romeo und Julia, rankt. In diesem Fall wurde ein sich liebendes Paar (Dona Ana und Don Carlos) durch ihre zerstrittenen Eltern getrennt. Um seine Geliebte trotzdem sehen zu können, kaufte Don Carlos in dieser engen Gasse ein Haus gegenüber dem von Dona Ana, so dass sich die Liebenden über die Balkone hinweg berühren konnten. Als der Vater von Dona Ana die beiden ertappte, schlug er seine Tochter am Fenster zu Tode, während Don Carlos ihre leblose Hand küsste. Den Paaren, die sich heute auf der dritten Stufe der Gasse unter dem Balkon küssen, wird sieben Jahre Glück garantiert. Viele scheinen daran zu glauben, die Menschenschlange davor ist ziemlich lang! Zur Entspannung lassen wir uns im von Erika und Claude empfohlenen vornehmen Restaurant „La Vie en Rose“ leckeres Essen schmecken. Als Kontrastprogramm gehen wir am nächsten Tag zum Essen in die Markthalle. Rolf sieht bereits die Salmonellen auf uns zukommen, aber nein, alles geht gut. Die Besichtigung des „Museo de las Momias“ mit ca. 100 mumifizierten Leichen hätten wir uns ersparen können, es ist ziemlich makaber.

Guanajuato war über Jahrhunderte dank der Gold- und insbesondere Silbervorkommen die reichste Stadt Mexikos. Noch heute wird um die Stadt herum Silber gefördert. In La Valenciana, heute ein Vorort, spiegelt die sehr aufwändig im Spanischen Barock ausgestattete Kirche „Templo de San Cayetano de Valenciana“, 1765 – 1788 vom Eigentümer der Silbermine „La Valenciana“ erbaut, den etwas ungleich verteilten Reichtum jener Zeit wider.
Von Guanajuato nach San Miguel de Allende
 
Nach vier Tagen fahren wir auf einer ausnahmsweise landschaftlich schönen Strecke nur ca. 70 km weiter zu unserem nächsten Ziel, San Miguel de Allende. Die Einfahrt in den Campingplatz „Tennis Weber“ ist Zentimeterarbeit. Der Betreiber Hans, der meint, sieben Meter Fahrzeuglänge wären kein Problem, hat die Breite und den großen Wendekreis unseres  Fahrzeuges unterschätzt. Der relativ kleine Platz ist nicht gerade überfüllt, und sein großer Vorteil ist die fußläufige Nähe zum Zentrum. Das Service-Angebot in der Stadt ist sehr gut: Unsere Wäsche wird abgeholt und gebracht und nicht nur gewaschen, sondern zum ersten Mal auch gebügelt, sogar die Socken! Von dem von vielen Reisenden so hoch gelobten San Miguel de Allende sind wir zunächst einmal enttäuscht. In den engen Gassen des historischen Zentrums sind Abgase, Dreck und Staub sehr unangenehm – die Mexikaner müssen erst noch herausbekommen, dass bei einer Verbannung von Autos aus ihren Altstädten alle gewinnen werden. Aber wie wir das schon oft erlebt haben: Zuerst einmal müssen wir uns eingewöhnen und zurecht finden, und dabei ist das gemütliche kleine Cafe „El Petit Four“ mit seinem Angebot an köstlichen süßen Leckereien sehr hilfreich. Hier lernen wir auch Ingrid und Klaus kennen, von denen wir wertvolle Tipps zum Erkunden der, wie auch wir schließlich eingestehen müssen, mit ihren kolonialen Gebäuden und Innenhöfen, Kirchen und hübsch angelegten Plätzen wirklich sehr sehenswerten Stadt erhalten.

Nun ist San Miguel aber keine typisch mexikanische Stadt mehr, seitdem sich zunehmend Nordamerikaner (man spricht von 25.000!) hier niedergelassen haben oder hier bei angenehmeren Temperaturen als in ihrer Heimat das Winterhalbjahr verbringen. Die Immobilienpreise sollen inzwischen denen von San Francisco in nichts nachstehen! Auch kommen heutzutage Paare, die früher Las Vegas vorgezogen hätten, zum Heiraten nach San Miguel, um sich in der wunderschönen Kathedrale trauen zu lassen. Neben teuren Boutiquen und Souvenir-Läden (das neu erworbene Haus will adäquat ausgestattet sein) haben sich auch einige Feinkostläden etabliert. Es gibt Käse französischer und Schweizer Art und viele andere köstliche Lebensmittel, bei denen wir uns nicht zurückhalten können! Und im „Mercado Organico“, wo alles bio und gesund ist, kaufen wir „Deutsches Mehrkornbrot“ – genauso auf Deutsch angepriesen! Auch das kulturelle Angebot ist vielfältig. Wir lauschen den Klängen des Gitarrenspielers Javier Estrada und erfreuen uns an traditionellen Tanzaufführungen auf der Plaza vor der Kathedrale ‑ San Miguel gibt sich ganz offensichtlich erfolgreich alle Mühe, seine Besucher zu unterhalten.

Auf unseren Spaziergängen, ’mal wieder steil bergauf und bergab, gelangen wir auch in ruhigere, aber nicht weniger hübsche Stadtteile. Und den großen Botanischen Garten haben wir mit Ingrid und Klaus fast für uns allein.
Von San Miguel de Allende nach Teotihuacan
 
Nach einer Woche verlassen wir die Stadt in Richtung Queretaro, jedoch nicht ohne vorher einen Abstecher nach Atotonilco zu machen, ein Dorf auf dem Lande, dessen einzige Attraktion die Kirche „Santuario de Jesus Nazareno de Atotonilco“ ist. Sie ist auch als „Sixtinische Kapelle von Mexiko“ bekannt und besitzt seit 2008 den World Heritage Status. Tatsächlich sind die Kirche und ihre sechs Kapellen sehr aufwändig im Spanischen Barock ausgeschmückt – einfach unfassbar in so einem Land-Kaff!

In Queretaro machen wir einen Zwischenstopp bei MAN, um mit dem Manager, Herrn Wolf, sowie dem Werkstattleiter, Senor Lopez (der sehr gut Englisch spricht) alles Notwendige für die anstehenden Wartungsarbeiten vor Abstellung unseres Wagens zu besprechen. Die Niederlassung macht einen sehr guten Eindruck, einige Arbeiten werden sofort ausgeführt, weitere vor unserer Abreise oder nach unserer Rückkehr nach Mexiko. Trotzdem bleibt festzustellen, dass in Mexiko nur eine Handvoll MAN-LKW, überwiegend Spezialfahrzeuge, laufen. Das Geschäft wird mit Bus-Chassis gemacht, mit deren Verkauf MAN Erfolge vorweisen kann. Das bedeutet auch, dass Ersatzteile für unseren Wagen, soweit sie über Standardverschleißteile hinausgehen, mit einem ziemlichen Vorlauf erst einmal aus Deutschland beschafft werden müssen. Toitoitoi: Per heute benötigen wir nur ein paar Filter, etwas Öl etc..

Unser nächstes Ziel ist Tepotzotlan. Der Ort liegt nördlich und bereits in der Sperrzone von Mexiko City: An welchen Tagen Fahrzeuge in das Gebiet einfahren dürfen, hängt von der letzten Ziffer des Nummernschildes ab, und wir mussten für die Fahrt dorthin nach langer Zeit einmal wieder unseren Kalender zu Rate ziehen. Eine Zuwiderhandlung kann sehr teuer werden! Der Ortskern ist vom Campingplatz zu Fuß zu erreichen. An der Stirnseite der Plaza dominieren die Kirche „Iglesia de San Francisco“ und das dazugehörige ehemalige Kloster, die heute gemeinsam das „Museo Nacional del Virreinato“ bilden. Der große Komplex wurde im 17. Jh. von den Jesuiten errichtet, die 1580 den Ort erreichten, um der indigenen Bevölkerung den wahren Glauben zu bringen. Uns beeindrucken die Architektur sowie die alten Fliesen und Wandgemälde im Kloster. Von der mit viel Gold überprunkvoll ausgestatteten Kirche und Kapellen, die Einfluss und Reichtum (was ihnen zum Verhängnis wurden) der Jesuiten widerspiegeln, sind wir mindestens so erschlagen wie überwältigt.

Teotihuacan, unser Ziel am nächsten Tag, ist nach Luftlinie gar nicht so weit entfernt. Aber wir wollen den extremen Verkehr in Mexiko City vermeiden und fahren über den äußeren Autobahnring, den Arco Norte nach San Juan de Teotihuacan. Vom Campingplatz bei der freundlichen Senora Mina aus erkunden wir die unvergleichliche gleichnamige Attraktion des Ortes, die größte prä-hispanische Ruinenstätte Mexikos. Die Stadt entstand ab ca. 200 v. Chr. und hatte in ihrer Blütezeit von 450 bis 650 n. Chr. ca. 150.000 Einwohner! Auf dem 23 qkm großen Areal gibt es viel zu bestaunen: Die Ersteigung der Sonnen- und Mondpyramiden ist auf den seinerzeit nicht nach DIN-Norm errichteten Stufen ist ein wenig beschwerlich, aber jeden Schweißtropfen wert, denn wir werden mit fantastischen Ausblicken über die Ausgrabungsstätte belohnt. Das auf dem Gelände befindliche kleine Museum zeigt sehr gut angeordnet und beleuchtet sowohl rituelle als auch alltägliche Gegenstände aus der alten Stadt. Es vermittelt auch ganz deutlich, dass die Teotihuacan-Kultur (ihren wahren, von den damaligen Menschen genutzten Namen kennt die Wissenschaft bis heute nicht) Untertanen und Vasallen mit einem grausamen Miltärregime in Zaum gehalten hat. Teotihuacan beeindruckt uns so sehr, dass wir die ehemalige Stadt am nächsten Tag noch einmal aus der Luft, mit einer Ballonfahrt sehen wollen – die uns allerdings weniger begeistert. Da eine Ballonfahrt ganz ausschließlich vom Wind abhängig ist, weiß man natürlich nie, wohin man „fährt“. Jedenfalls landen wir kurz nach dem Start beinahe in einer Kaktusplantage, streifen Baumgipfel und stoßen später in der Luft mit einem anderen Ballon zusammen. Aber vielleicht ist das alles Teil des „Abenteuers“? Die Pyramiden sehen wir von oben leider nur aus der Ferne, denn in 400 m Höhe schläft der Wind ein – so ein Pech! Aber die Landung klappt wider Erwarten, und es wird eine Flasche Brausewasser geköpft.
Von Teotihuacan nach Cholula

 
In Cholula, unserem nächsten Ziel, bewundern wir in den kleinen Gassen die hier besonders kunstvollen Wandmalereien, die überall in Mexiko ein hohes Niveau haben. Anschließend kommen wir auch hier nicht um eine Pyramide herum ‑ die allerdings nicht mehr als solche zu erkennen ist. Denn sie ist inzwischen nur noch ein bewachsener Hügel, auf dem die Spanier eine Kirche errichtet haben. Dieser Hügel war die größte jemals errichtete Pyramide des alten Mexikos, die man bis heute gefunden hat. Die unter dem Hügel befindlichen 8 km Tunnel, von Archäologen hineingetrieben, können zurzeit leider wegen Reparaturarbeiten nicht besichtigt werden. Aber wir dürfen einer anderen Attraktion beiwohnen: Auf dem Zocalo (= Plaza) beobachten wir den uralten traditionellen Tanz der „Voladores de Papantla“. Vier Personen sind daran beteiligt, wobei der Führer auf einer Flöte und Trommel musiziert. Die „Tänzer“ klettern an einem hohen Pfahl empor, hinauf zu einer kleinen Plattform, auf der der Führer in jede Himmelsrichtung ein Gebet schickt und anschließend zu musizieren beginnt. Inzwischen wickeln alle Tänzer ihr jeweiliges Seil 13 Mal um den Pfahl und befestigen das Ende um ihre Taille. Und dann hängen sie sich kopfüber an ihr Seil, drehen sich um den Pfahl in immer größer werdenden Spiralen. Nach genau 13 Umdrehungen erreichen sie den Boden. 4 Tänzer mal 13 Umdrehungen = 52 (Jahre) – eine geheiligte Periode aus dem uralten Azteken-Kalender.

Gleichzeitig wird in der Stadt Karneval gefeiert. Auf den Straßen treffen wir auf kostümierte Menschen, die mit Vorderladergewehren riesige Knallpatronen verschießen und alle Umstehenden in Angst und Schrecken versetzen. Auf dem Rücken der Kostümierten sind Obst- und Gemüsesorten und ausgestopfte Tiere befestigt – Symboliken, die uns ein Geheimnis bleiben. In einem Innenhof wird nicht nur zur Musik getanzt, sondern auch heftig getrunken. Hier fühlen wir uns nicht so recht wohl.
Puebla
 
Am nächsten Tag erleben wir ein Abenteuer besonderer Art, und zwar eine höllische Busfahrt nach Puebla. Wir vermuten, dass der schnellste Busfahrer eine Prämie erhält. Über die Militärpräsenz auf der Plaza sind wir erstaunt, bis wir bemerken, dass es sich um Werbung für den Militärdienst handelt. Wir bummeln durch das historische Zentrum und entlang sehr langer Straßenzüge aus alten Kolonialgebäuden, gehen ab und zu in eine Kirche (in ihnen ist es so schön kühl ….), laufen über den quirligen Markt in der Fußgängerzone und besuchen die Keramikwerkstatt „Uriarte Talavera“, wo wir für Rolf einen hübschen Ersatz für den gerade zerbrochenen Trinkbecher aus Malaysia kaufen. Puebla gefällt uns – aber erst auf den zweiten Blick.
Über den Paseo de Cortes nach Zapotitlan Salinas

Die Busfahrt zurück nach Cholula war nicht weniger aufregend, und wir sind froh, als Rolf am nächsten Tag wieder selbst am Steuer sitzt. Und nun geht es hoch hinauf zum Parque Nacional de Volcanos. Die Piste schraubt sich immer höher, und die Vulkane Popocatepetl (5.452 m) und Ixtaccihuatl (5.285 m), von den Mexikanern Popo und Ixta genannt, rücken immer näher. Wir erreichen auf dem Paso de Cortes, einem Sattel zwischen den beiden Vulkanen, unseren heutigen Nachtplatz auf 3.900 m. Unsere Sicherheit ist auch garantiert, denn in zwei großen Wohncontainern ist hier die „Policia Alta Montana“ stationiert, eine der unüberschaubar vielen Polizei-Einheiten Mexikos. Die Luft hier oben ist schon etwas dünn, aber wir sind so froh, dass wir endlich mal einen Abend in Stille erleben dürfen – ein Wunsch, der im lärmigen Mexiko nicht allzu oft in Erfüllung geht. Am nächsten Morgen zeigt das Thermometer 0,9 Grad, aber die Vulkane zeigen sind im Sonnenschein von ihrer besten Seite. Während der Ixta erloschen ist, ist der Popo ziemlich aktiv und grummelt und raucht ununterbrochen seit September 1994. In den Jahren 2000 und 2012 gab es heftige Ausbrüche, wobei der Vulkan zwar keine Lava, aber heiße Felsbrocken und Asche ausspuckte, was auch den 60 km entfernten Flughafen von Mexiko-City lahmlegte. Wir verlassen den Pass auf der Westseite auf einer Asphaltstrasse hinunter nach Amecameca und gelangen durch die Berge in den Bundesstaat Oaxaca. Und endlich fahren wir durch einen Landesteil, in dem die Landschaft und nicht die Besiedlung überwiegt. Es wird grüner, eine wirkliche Wohltat für unsere Augen nach Wochen in extrem trockenem Land. Unser Abstecher in Richtung Zapotitlan Salinas führt uns über viele Kilometer durch über und über mit zum Teil schon blühenden Kakteen bewachsene Berge. In diesem Gebiet errichtete Senora Helia Bravo-Hollis 1989 den Jardin Botanica, in dem es auch einen Campingplatz inmitten von 53 Kakteenarten gibt, und wo wir die nächsten Tage bleiben. Wir sind endlich einmal von Natur umgeben, ruhig ist es hier außerdem, und auf langen Spaziergängen entstehen Gigabyte von Kakteen-Fotos. Die hier zu findenden Salinen sind nicht weniger interessant. Die Salzgewinnung erfolgt nach uralten Traditionen: Salzhaltiges Tiefenwasser wird an die Oberfläche gepumpt und auf Becken verteilt, in denen das Wasser verdunstet und das Salz zurück bleibt. Wir besuchen einen kleinen Familienbetrieb, und Großvater erklärt uns alles ganz genau, während der Sohn schuftet und der Enkel sich drückt.
Oaxaca und Umgebung

Nach einigen Tage in der Natur sind wir fit sind für eine weitere Stadt, Oaxaca. Auf einem außerhalb der großen Stadt, in San Francisco Lanchigolo gelegenen Campingplatz bleiben wir eine Woche, um Oaxaca, vor allem aber die umliegenden Dörfer zu erkunden. In Oaxaca gefällt uns besonders das „Museo de las Culturas Oaxaca“: In diesem ehemaligen Kloster wird in vielen Galerien die Regionalgeschichte von der prä-hispanischen Zeit bis zum 20. Jahrhundert dargestellt, darunter auch die Beigaben eines vor einigen Jahren entdeckten, ungeplünderten Grabes in Monte Alban, eine weitere alt-mexikanische Stadt unweit Oaxaca.

In Tlacolula, um die Kirche herum, besuchen wir den schönsten Markt, den wir bisher in Mexiko gesehen haben. Es ist ein sehr ursprünglicher, von vielen indigenen Völkern der Umgebung besuchter Markt, auf dem an jedem Sonntag das in den umliegenden Dörfern hergestellte wunderschöne Kunsthandwerk angeboten wird. Darunter sind gewebte Stoffe und Teppiche, grüne, braune und schwarze Keramik und vieles mehr, was unsere Herzen höher schlagen lässt. Einige Stände bieten ungewöhnliche Lebensmittel an: Bettina probiert einen frisch gerösteten Grashüpfer, aber sie bevorzugt dann doch für den Rest des Abends Kartoffelchips. Als schönen Abschluss unseres Besuches beglückt uns in der Mitte des Marktes eine Mariachi-Band.

Mit einem für den ganzen Tag gemieteten Taxi besuchen wir die alte Zapoteken-Stadt Monte Alban auf einem planierten Berggipfel, ab 500 v. Chr. erbaut und 950 n. Chr. aus unbekannten Gründen wieder aufgegeben. Dabei müssen wir uns vor Augen halten, dass die alt-mexikanischen Kulturen vor Ankunft der Spanier weder Rad noch Lasttiere kannten – hier wurden Millionen von Kubikmetern Fels und Erde nur mit der Hand bewegt, unvorstellbar!

Auf dem Tiermarkt in Zaachila werden von Kaninchen bis zu stattlichen Stieren viele Nutztiere angeboten. Die Menschen sind sehr freundlich, haben nichts dagegen, dass wir fotografieren.

In San Bartolo Coyotepec wird die berühmte schwarze Keramik ("Barro Negro") hergestellt. Die Senora Dona Rosa entwickelte 1934 eine Technik, um den Töpferwaren einen einzigartigen schwarzen Glanz zu verleihen. In der Töpferei, die auch nach ihrem Tod von der Familie weitergeführt wird, zeigen Fotos an den Wänden Besuchergrößen wie Rockefeller, Jimmy Carter, Tito und Wolfgang Thierse (kein Witz!). Wir befinden uns also in bester Gesellschaft, unser Foto wird nächste Woche aufgehängt …!

Nach langen Besichtigungstagen genießen wir jeweils abends in unserem Camp glückliche Happy Hours mit zwei französischen Overlander-Paaren, die sich sehr bemühen, Englisch mit uns zu sprechen.
Von Oaxaca über Mitla nach Mierve de Aguas

Nach einer Woche heißt es Abschiednehmen von den freundlichen und hilfsbereiten Campingplatzbetreibern und von „unseren“ Franzosen. Nach einem Besuch der alten Mixteken-Stadt Mitla erwartet uns am „Hierve el Agua (Es sprudelt das Wasser)“ ein spektakuläres Naturschauspiel: Über eine ziemlich schmale Bergpiste und durch eine wunderschöne Landschaft (von der nur Bettina etwas sieht, da Rolf anderweitig beschäftigt ist) erreichen wir die von Bergen umgebenen Sinter-Terrassen und versteinerten Wasserfälle. Es handelt sich um Kalkablagerungen aus mineralreichen warmen Quellen, die über Jahrhunderte Pools und Wasserfall-ähnliche Gebilde haben entstehen lassen. Am Nachmittag unserer Ankunft ist hier ziemlich was los, aber früh am nächsten Morgen haben wir dieses Wunder bei nur 13 Grad, aber herrlichem Sonnenschein ganz für uns allein. Wunderschön ist es hier!

Ein langer Fahrtag bringt uns nun wieder hinunter an die Pazifikküste, wo uns morgens beim Aufstehen statt 13 Grad nun 27 Grad erwarten. Wie wir diesen Temperaturanstieg verkraftet haben, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Bis dahin alles Gute und Euch einen baldigen Frühling,
Bettina & Rolf


(Zipolite/Mexiko, im März 2017)
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