Von Mexiko nach Guatemala - Bettina & Rolf Sparthmann unterwegs!

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Kakteenwälder bei Zapotitlan Salinas/Mexiko
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Von Queretaro/Mexiko zur guatemaltekischen Grenze

 Dezember 2017

 
Es war eine erlebnisreiche und wunderbare Zeit zu Hause mit Familie und Freunden ‑ wenn auch der Sommer in diesem Jahr im Sinne des Wortes ins Wasser gefallen ist. Da blieb uns nur, wie einst Rudi Carell, zu singen:
 
Wann wird’s mal wieder richtig Sommer,
ein Sommer, wie er früher einmal war.
Ja, mit Sonnenschein von Juni bis September
Und nicht so nass und so sibirisch wie in diesem Jahr.

Die Klimaänderung ist also ganz offensichtlich kein neuesThema, wir haben es nur vergessen!
 
Ende November machen sich die letzten Graugänse auf den Weg gen Süden, und auch für uns wird es höchste Zeit, ihnen zu folgen. Wir fliegen über Frankfurt und Cancun nach Queretaro, um unser rollendes Heim wohlbehalten wieder in Empfang zu nehmen. In der dortigen MAN-Werkstatt wurden einige Reparaturen ausgeführt, nur der Ölwechsel steht noch aus. Hier lernen wir auch Sandra und Andreas aus Süddeutschland kennen, die hier Reparaturen an ihrem Iveco durchführen lassen. Denn Herr Wolf, der deutsche Manager der Niederlassung, weist keine Reisenden vom Hof, egal, mit welchem Fahrzeugtyp diese bei ihm auftauchen. Dass nicht jede Reparatur gelingen kann, liegt auf der Hand, denn über Teile oder Spezialwerkzeuge für Nicht-MANs verfügt die Werkstatt nun einmal nicht. Trotzdem ist MAN-Queretaro erst einmal DIE Anlaufstelle für Reisende mit Fahrzeugproblemen.

Am 29. November sind wir wieder unterwegs zu neuen Abenteuern. Da wir aus zollrechtlichen Gründen bis zum 14. Dezember die NAFTA (Kanada, USA, Mexiko) mit unserem Fahrzeug verlassen müssen, geht es relativ zügig in Richtung guatemaltekische Grenze. Wir folgen zunächst unseren alten Spuren und landen ein zweites Mal auf dem Campingplatz der freundlichen Mina in Teotihuacan. Hier richten wir unseren Wagen für die Reise wieder her, dazu brauchen wir immer zwei bis drei Tage. Auf dem Weg nach Oaxaca bleiben wir noch einmal zwei Tage in den von uns so geliebten Kakteenwäldern bei Zipotitlan Salinas hängen und sind erneut begeistert. Auf dem Campingplatz von Kate und Del in San Francisco Lachigolo bei Oaxaca, die uns wieder herzlich aufnehmen, treffen wir auf Odette und Dominique, die wir hier, so ein Zufall, bereits im März kennen gelernt haben. Bei einem Mix aus Englisch, Französisch und Spanisch tauschen wir  Reiseerfahrungen aus, und wir erhalten wertvolle Tipps für Guatemala und Belize.

Am nächsten Tag nehmen wir ein Sammeltaxi in die Stadt. In dem kleinen Auto ist Platz für mindestens sechs Personen, d. h. Rolf sitzt mehr oder weniger auf dem Schoß des Fahrers. Trotzdem erreichen wir unser Ziel. Da wir Oaxaca bereits gut kennen, können wir diesmal sightseeingstresslos durch die Stadt bummeln. Viele Straßen und Plätze sind bereits weihnachtlich geschmückt. Tagsüber ist es angenehm warm, aber nachts recht kühl. Das ändert sich, als wir uns nach einem langen Fahrtag der Pazifikküste nähern. Es wird heiß. Als wir am späten Nachmittag im Balneario Ojo de Agua bei Ixtepec ankommen, stürzen wir uns gleich in das kristallklare, erfrischende Wasser des Naturbades.
 
Und wieder gibt es am nächsten Tag einen Temperaturwechsel. Durch die Berge der Sierra Madre de Chiapas gelangen wir nach San Cristobal des las Casas auf 2.100 m Höhe. Wir bleiben drei Tage, und die Temperaturen klettern auch tagsüber nie über 10 Grad, da es fast immer bewölkt ist. Zum Frühstück wird nach langer Zeit einmal wieder die Heizung angeworfen. Bis 1892 war San Cristobal die Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas, in dem, anders als in vielen anderen mexikanischen Bundesstaaten, 60% der Bevölkerung von den Mayas abstammende Indios sind. Fast alle Frauen sind traditionell gekleidet. Wir erklimmen die Stufen zur Kirche Templo de Guadelupe, eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen für die Schutzheilige von Mexiko, die Virgen de la Guadelupe. Einer der wichtigsten religiösen Feiertage Mexikos am 12. Dezember steht kurz bevor, und die Vorbereitungen für Prozessionen sind in vollem Gange.
 
Die Legende um die Jungfrau von Guadelupe, der mexikanischen Jungfrau Maria, geht auf das Jahr 1531 zurück. Dem Indio Juan Diego erschien auf dem Cerro del Tepeyac bei Mexiko City am 12. Dezember die Jungfrau in Gestalt eines dunkelhäutigen Mädchens. Sie bat ihn, Rosen, die seltsamerweise im Dezember blühten, zu pflücken. Juan Diego wickelte die Rosen in seinen Poncho und meldete sein Erlebnis dem Bischof. Als er seinen Poncho öffnete, war auf dem Stoff das Abbild der Jungfrau zu erkennen. Die Erscheinung fand an dem Ort statt, wo einst ein Tempel der aztekischen Göttin Tonantzin gestanden hatte, und die Bevölkerung glaubte an diese Erscheinung. Die katholische Kirche nutzte dies für ihre Zwecke und rief die dunkelhäutige Jungfrau als Heilige aus, um den Einheimischen den Wechsel von den Azteken-Göttern zum Christentum schmackhaft zu machen. Das Abbild der Jungfrau ist allgegenwärtig, im öffentlichen wie auch im privaten Bereich. Kein Bus, kein Tuk-Tuk ohne ein Bild der Jungfrau.
 
Die Mexikaner lieben das Mädel, und ihr zu Ehren finden vor dem hohen Fest überall im Lande Fackelläufe statt. Jedes Dorf, das etwas auf sich hält, schickt mindestens einen mit Jungfrau-Bild, Blumen und Luftballons geschmückten Wagen als Begleitfahrzeug für Fackelläufer zu einer Wallfahrtskirche los. Dort wird die Fackel geweiht, um sie anschließend von den Läufern wieder ins Dorf zurücktragen zu lassen. Jeder Teilnehmer eines solchen Zuges, der sich meistens über mehrere Tage erstreckt, möchte die Fackel ein Stück getragen haben, und so wechseln sich die Läufer alle 100 m ab. Die Fackelläufer und ihre Begleitwagen, oft ganze Konvois, sind uns während der Fahrt nach San Cristobal immer häufiger begegnet. Selbst auf den Autobahnen gefährden sie sich selbst und die übrigen Verkehrsteilnehmer.
 
Trotz dieses wichtigen Feiertages verlassen wir San Cristobal am 11. Dezember noch vor den Hauptfeierlichkeiten. Es ist uns einfach zu kalt und ungemütlich, und wir möchten zurück in die Wärme. Unmittelbar an der Grenze zu Guatemala erreichen wir die Lagos de Colon, auf einer Höhe von nur noch 600 m mit endlich wieder angenehmen Temperaturen. Es handelt sich um einen riesigen Naturpark, eingebettet in eine Landschaft mit vielen Seen und Flüssen. Rund um die Seen gibt es viele Unterkünfte, aber es ist wohl keine Saison, und wir sind die einzigen Touristen. Am „Dia de la Virgen de la Guadelupe“ am nächsten Tag gibt es hier keine großen Prozessionen, aber in der kleinen Kirche dürfen wir der Messe und den, zugegebenermaßen schrägen, Gesängen der Einwohner lauschen. Ein romantischer Wanderweg durch Wälder, vorbei an Flüssen, Wasserfällen und Seen bringt uns zu unserer ersten Maya-Ruine. Und es ist kaum zu glauben, wir haben sie ganz für uns alleine! Von einer der Pyramiden genießen wir im Sonnenschein herrliche Ausblicke auf die großzügige Anlage und die wunderschöne Landschaft, nur einen Steinwurf von der guatemaltekischen Grenze entfernt. Vögel zwitschern, und Schmetterlinge umschwirren uns. Morgen werden wir Mexiko verlassen und mit Guatemala ein uns vollkommen unbekanntes Land bereisen. Doch darüber im nächsten Bericht mehr.

 
Wir wünschen Euch allen ein geruhsames Weihnachtsfest und nur das Allerbeste für 2018!
Bettina & Rolf

(Antigua/Guatemala, Weihnachten 2017)
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